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Gepostet von am Feb 22, 2013 in Blog, Technik | 5 Kommentare

Filter ABC Teil 1: Grauverlaufsfilter

Seitdem die Fotografie digital geworden ist, sind viele der Meinung, dass optische Filter überflüssig geworden sind. Zum Teil stimmt das, denn viele Effekte von optischen Filtern (z.B. Farbfilter) lassen sich gut in Photoshop nachstellen. Doch nach wie vor gibt es einige Filter, die auch in der digitalen Fotografie Sinn machen. Einer davon ist meiner Meinung nach der Grau(verlaufs)filter.

Was ist ein Graufilter?

Ein Graufilter (auch: ND-Filter) besteht aus einem optisch durchlässigen Material, welches mehr oder weniger stark mit einem neutralen Grau getönt ist.

Die Stärke von Graufiltern wird in einer logarithmischen Skala angegeben:

Neutraldichte ND Durchlässigkeit Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit Anzahl Blenden
0,0 100 % 1 0
0,3 50 % 2 1
0,45 35 % 3 1,5
0,6 25 % 4 2
0,9 12,6 % 8 3
1,0 10,0 % 10 3,3
1,2 6,3 % 16 4
2,0 1,0 % 100 6,6
3,0 0,1 % 1.000 10
4,0 0,01 % 10.000 13
5,0 0,001 % 100.000 17
6,0 0,0001 % 1.000.000 20
7,0 0,00001 % 10.000.000 23
8,0 0,000001 % 100.000.000 27

Graufilter werden eingesetzt, um die auf den Sensor einfallende Lichtmenge zu reduzieren. Dies ist vor allem dann erforderlich, wenn man bei Tageslicht mit langen Verschlusszeiten (z.B. > 1/10 s) oder mit großen Blendenöffnungen fotografieren möchte.

Dies Bild habe ich zum Beispiel 2009 – damals noch mit einer Kompaktkamera 😉 – mit einem 0,6 ND aufgenommen:

Wasserfall bei Grindelwald

Wasserfall bei Grindelwald

Verschlusszeit: 1/4 s
Blende: f8
ISO: 80

Grauverlaufsfilter

Ein Grauverlaufsfilter ist im Prinzip ein Graufilter mit einer graduellen Abstufung der Stärke.
Hier sind zwei Bilder von Grauverlaufsfiltern in verschiedenen Ausführungen:

Lee GND Soft 0.6

Lee GND Soft 0.6

Lee GND Hard 0.6

Lee GND Hard 0.6

Grauverlaufsfilter werden häufig in der Landschaftsfotografie eingesetzt, um starke Helligkeitsunterschiede zwischen Himmel und Landschaft auszugleichen.
Viele kennen vielleicht die Situation:
Man möchte ein Bild von einer schönen Landschaft machen, doch stellt fest, dass entweder der Himmel komplett weiß ist und keine Zeichnung mehr enthält, oder die Landschaft unterbelichtet und fast schwarz ist.
Da Digitalkameras nur einen beschränkten Kontrastumfang darstellen können, ist es in solchen Situationen hilfreich, den Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Landschaft teilweise auszugleichen.

Anwendung von Grauverlaufsfiltern

Um die richtige Stärke des Filters auswählen zu können, kann man z.B. folgende Vorgehensweise anwenden:

  1. An der Kamera entweder Programmautomatik, Blendenautomatik oder Zeitautomatik wählen
  2. Die korrekte Belichtung des Himmels mit dem kamerainternen Belichtungsmesser bestimmen
  3. Die korrekte Belichtung der Landschaft bestimmten
  4. Blendenunterschied zwischen den beiden Belichtungen ausrechnen:

Beispiel:
Belichtung Himmel:
1/125s – f8 – ISO 100

Belichtung Landschaft:
1/125 – f4 – ISO 100

Belichtungsunterschied: 2 Blenden –> 0,6 ND

Hilfreich für die Berechnung ist folgende Tabelle der Blendenwerte (volle Blenden in rot):

f-Wert
1 5
1,1 5,6
1,2 6,3
1,4 7,1
1,6 8
2 10
2,2 11
2,5 13
2,8 14
3,2 16
3,5 18
4 20
4,5 22

Gestern habe ich ein Foto veröffentlicht, welches ich mit Grauverlaufsfiltern aufgenommen habe: Erster Blogbeitrag

Farbstich bei Graufiltern

Leider kommt es bei Graufiltern immer wieder zu Farbverschiebungen. Das ist abhängig vom Hersteller und von der Stärke. Bei stärkeren Filtern treten auch stärkere Farbverschiebungen auf. Meistens kann man diese jedoch in der Nachbearbeitung gut beheben. Bei LEE-Filtern hält sich das ganze aber sehr in Grenzen, sodass ich da noch keine Probleme mit hatte. Einen interessanten Artikel zu diesem Thema hat auch Matthias Haltenhof geschrieben: Grauverlaufsfilter und Farbstich

Update 14.10.2013

Seit kurzem habe ich auch einen LEE Big Stopper. Einen ersten Bericht dazu gibt es hier: LEE Big Stopper

5 Kommentare

  1. Hallo Christian,
    toller Beitrag!! Was ich bis jetzt aber noch nicht verstanden habe ist folgendes:

    Ich besitze auch 2 Lee GVFilter (0.75, 1.2) aber leider habe ich noch nicht genau verstanden wie ich vorgehen soll… messe ich zuerst den dunklen Bereich (Landschaft), stelle das Setting ein und lege dann den Filter davor, oder messe ich durch den Filter die Landschaft aus.

    Bei ersten Tests ist es mit manchmal passiert, dass die Messfelder schon teilweise im grauen Verlauf waren und somit eine korrekte Belichtung verhinderten… das Ergebnis war dass natürlich der Vordergrund leicht überbelichtet war. Oder habe ich einfach bei der Messung etwas falsch gemacht?

    Logisch klingt für mich: Landschaft ausmessen – korrekt belichtet – dann Filter auf den Himmel setzen. oder?

    Danke!!
    LG
    Michael

    • Hallo Michael,
      in der Theorie würde ich es folgendermaßen machen: Ohne Filter sowohl die Belichtung des Himmels und der Landschaft messen (am Besten Spot- oder Mittelbetonte-Messung). Dann müsste man den Belichtungsunterschied ausrechnen und den passenden Filter wählen und davorstecken. Wenn man – so wie ich – nicht alle möglichen Filterstärken besitzt, ist das in der Praxis natürlich nicht so leicht.

      Ich gehe eigentlich immer so ähnlich vor, wie du schon beschrieben hast:
      1. In der Blendenautomatik die Blende wählen
      2. Belichtungszeit für den Himmel ermitteln und merken
      3. Belichtungszeit für die Landschaft ermitteln und in den manuellen Modus übertragen
      4. Die Differenz der beiden Belichtungen ausrechnen und schauen, ob einer von meinen beiden 0.6 Filtern ausreicht, oder ob ich beide nehmen muss
      5. Filter aufsetzten und Testfoto machen
      6. Bild kontrollieren

      Meistens passt es nicht ganz, da ich wie gesagt ja nur zwei 0.6er Filter habe. Dann muss ich entweder den Himmel ein bisschen heller lassen oder die Landschaft dunkler belichten.
      Wichtig ist, dass du in RAW aufnimmst, dann hast du in der Nachbearbeitung viel mehr Möglichkeiten die Lichter und Tiefen wieder abzudunkeln bzw. aufzuhellen.

      Wenn deine Kamera es unterstützt, empfehle ich dir den Live-View-Modus zu nehmen. Damit kann man die korrekte Ausrichtung des Filters wesentlich besser beurteilen – finde ich jedenfalls 😉

      Wenn du weitere Fragen hast, einfach melden 😉

      Viele Grüße,
      Christian

      • Hallo Christian,
        danke für deine Antwort. Ich habe jetzt ein wenig Zeit gehabt zu testen (habe auch die von dir beschriebene Methode angewandt). nur leider besitze ich auch „nur“ 2 Filterstärken und meistens hätte ich einen helleren Verlauf benötigt (0.6 oder sogar heller)… mit meinem 0.75 ging es aber einigermaßen… naja und noch üben! 😉

        Danke dir!

  2. Danke für den interessanten Artikel. Nach einigen Jahren des Blendings von mehreren Belichtungen gehe ich grad langsam wieder dazu über, Grauververlaufsfilter einzusetzen. Der Grund ist dabei ganz einfach: Ich muss weniger Zeit am PC verbringen. Die Bildbearbeitung geht viel schneller und die versehentlich abgedunkelten Stellen kann ich mit dem Tiefen-Regler leicht wieder zurück holen.

    • Dankeschön 🙂

      Das war auch einer meiner Gründe, warum ich angefangen habe mit Filtern zu experimentieren. Natürlich bekommt man auch in der digitalen Nachbearbeitung mit Zusammenfügen von mehreren Belichtungen sehr gute Resultate hin, doch das war mir immer zu aufwendig. Wenn ich mit den GND Filtern arbeiten, komme ich oft mit nur einer Belichtung aus.

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